Smartphones sind eine große Gefahr im Straßenverkehr. Jeden Tag ereignen sich unzählige Unfälle, bei denen Radfahrer, Fußgänger und Motorradfahrer zu Schaden kommen. Fast die Hälfte der weltweit ca. 1,25 Millionen Verkehrstoten im vergangenen Jahr waren diese sogenannten schwachen Verkehrsteilnehmer – all jene also, die keine Bremsassistenten, keine Knautschzonen und keine Frühwarnsysteme besitzen. Ausgerechnet mithilfe einer neuen App wollen jetzt Autozulieferer verhindern, dass es zu Unfällen kommt.

Gefahr für schwache Verkehrsteilnehmer

Bald fahren immer mehr Elektroautos auf den Straßen, die man kaum noch hört. Dazu kommt die ständige Ablenkung durch Smartphones. Wenn man den Fußgängern und Radlern schon keine Knautschzone verpassen kann, dachte sich der Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen, dann brauchen sie wenigstens ein Frühwarnsystem. Auch andere Autozulieferer und Hersteller arbeiten an Programmen zum Schutz der schwachen Verkehrsteilnehmer, aber keiner scheint so weit zu sein wie das Unternehmen vom Bodensee.

Schutz per Smartphone

Verkehrsapp soll Smombies rettenMan stelle sich einen jungen Mann vor, der die Straße mit einem Smartphone in der Hand entlang läuft. Er ist völlig vertieft und konzentriert sich nicht auf den Verkehr. Plötzlich schlägt das Handy Alarm, es piept und vibriert und auf dem Display leuchtet eine Warnung auf. Der Mann bleibt stehen und kurz vor ihm kommt ein Auto mit quietschenden Reifen zum Stehen. Weder die Sensoren des Autos noch der Fahrer hätten die Gefahr und den Fußgänger wahrnehmen können, weil er bis kurz vor dem Fast-Zusammenstoß von einer Mauer verdeckt war. Mit diesen Warn-Funktionen soll die App von ZF Friedrichshafen vor allem die Leben der Smombies - Kurzform für Smartphone-Zombies, all jene also, die nur noch mit dem Blick auf das Telefon in ihrer Hand herumlaufen und oft kaum noch etwas vom Geschehen um sich herum mitbekommen - retten.

So funktioniert die App

Dank des Systems „X2Safe“ kommunizieren Fahrzeuge nicht mehr nur untereinander, sondern sind auch mit Fußgängern und Radfahrern über deren Smartphones vernetzt. Das Prinzip klingt simpel: Alle Verkehrsteilnehmer, die eine entsprechende App auf ihr Gerät geladen haben, übermitteln darüber fortwährend ihre Bewegungsdaten an das System. Ein Algorithmus errechnet dann in einer Datencloud, ob es sich um einen Fußgänger, einen Fahrradfahrer oder ein Auto handelt, mit welcher Geschwindigkeit sich derjenige voraussichtlich in welche Richtung bewegen wird und ob er sich auf Kollisionskurs befindet. Im Notfall werden alle Beteiligten gewarnt. Dahinter verbirgt sich aber ein komplexes Programm, das ständig dazulernt, sich beispielweise kritische Kreuzungen merkt und so versucht vorherzusagen, wie sich die Verkehrsteilnehmer in den nächsten Sekunden und Minuten verhalten werden. Und das alles muss innerhalb von Sekundenbruchteilen passieren, damit die Warnung auch noch rechtzeitig ankommt. Dieses Jahr will ZF Friedrichshafen „X2Safe“ als Produkt anbieten. Erste Gespräche mit Fahrzeug- und Smartphone-Herstellern sind schon geführt worden.

Alternative Schutzmöglichkeit für Smombies

Mit steigender Tendenz sind Smartphones mittlerweile häufig die Unfallursache, da die Passanten oft nicht mehr auf Verkehrszeichen oder Ampeln achten. Deshalb haben in Köln und in Augsburg Verkehrsbetriebe LED-Bodenampeln an einigen Straßenbahnhaltestellen zum Test angebracht. Sie sollen dazu beitragen, dass Fußgänger den Verkehr trotz Smartphone im Blick haben. Sobald die „richtige“ Ampel rot wird oder eine Straßenbahn einfährt, blinken die LED-Lichter ebenfalls rot und signalisieren, dass der Fußgänger stehen bleiben sollte.